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Andacht

Andacht zu 1. Korinther 10,31

Paulus schreibt diesen bekannten Satz nicht am Ende eines mitreißenden Plädoyers für weltweite Evangelisation oder große geistliche Pionierprojekte. Er steht mitten in einer sehr nüchternen, fast schon sperrigen Debatte über den Umgang mit Götzenopferfleisch im Alltag der antiken Großstadt Korinth. Es ging um Gewissensfragen, um die Grenzen persönlicher Freiheit und um die Rücksicht auf die Schwächen anderer in der Gemeinde. Genau an dieser Stelle, beim ganz gewöhnlichen Essen und Trinken, verankert Paulus den höchsten Maßstab des christlichen Lebens: die Ehre Gottes. Wer lange im Glauben unterwegs ist und Verantwortung in Betrieben, Gemeinden oder christlichen Werken trägt, läuft schleichend Gefahr, das Leben in zwei Sphären zu teilen. Auf der einen Seite steht das geistlich Relevante: die Verkündigung, die strategische Gebetszeit, die Seelsorge. Auf der anderen Seite liegt der vermeintlich neutrale Alltag: Mitarbeitergespräche, Budgetplanungen, die E-Mail-Flut oder die Kaffeepause. Paulus hebt diese Trennung radikal auf. Die Ehre Gottes zeigt sich nicht erst in spektakulären Meilensteinen oder hochgeistlichen Worten, sondern in der Ausrichtung der alltäglichsten Handlungen. Ein Tun zur Ehre Gottes bedeutet im biblischen Kontext keine krampfhafte Frömmigkeit, die über jede geschäftliche Entscheidung nachträglich ein geistliches Etikett klebt. Es bedeutet vielmehr eine innere Haltung der Freiheit, die freiwillig durch die Liebe zum Nächsten begrenzt wird. Es ist die Bereitschaft, auf das eigene Recht oder den eigenen Vorteil zu verzichten, wenn es dem anderen dient oder der Glaubwürdigkeit des Evangeliums hilft. Für uns in Führungspositionen stellt sich deshalb heute die ehrliche Frage: Dient mein Handeln in den unscheinbaren Prozessen dieses Tages wirklich Gottes Ehre oder doch eher meiner eigenen Reputation, meinem Absicherungsbedürfnis oder der reinen Effizienz? Wenn wir Verhandlungen führen, Mitarbeiter korrigieren oder Konflikte austragen, tun wir das mit derselben Lauterkeit, Würde und Umsicht, die wir im geistlichen Dienst erwarten? Gottes Ehre wird dort sichtbar, wenn unsere Haltung auch dann hält, wenn kein Scheinwerfer auf uns gerichtet ist. Wählen Sie heute bewusst eine ganz alltägliche, ungeliebte oder routinemäßige Aufgabe aus – sei es die Bearbeitung einer komplexen Mappe, ein anstrengendes Telefongespräch oder eine zeitraubende Routinearbeit. Halten Sie vor dem ersten Schritt kurz inne und tun Sie diese eine Sache ganz bewusst als Dienst vor Gott, mit voller Aufmerksamkeit, Integrität und Freundlichkeit. Herr, du bist der Herr des ganzen Lebens, nicht nur unserer geistlichen Stunden. Vergib uns, wo wir dich aus unserem Arbeitsalltag und den kleinen Entscheidungen ausgeklammert haben. Lehre uns heute, deine Ehre im Unscheinbaren zu suchen. Gib uns die Freiheit, auf unseren eigenen Vorteil zu verzichten, und die Weisheit, so zu handeln, dass Menschen durch unser Tun deine Güte erkennen. Amen.

Redaktioneller Beitrag aus dem matchNetz-Empfehlungsnetzwerk.