Andacht zu Epheser 4,29
Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus über die konkrete Praxis des Glaubens. Inmitten dieser Alltagsweisheiten steht eine Mahnung, die für Erfahrene im Glauben besonders dringlich ist. Wenn der Apostel von faulem Geschwätz spricht, nutzt er ein Bild aus dem Gartenbau. Das griechische Wort beschreibt etwas Verdorbenes, Unbrauchbares oder Verfaultes. Wer seit Jahren Leitungsverantwortung in Gemeinden, Unternehmen oder Werken trägt, nutzt selten rohe Schimpfwörter. Die Fäulnis in unserer Sprache zeigt sich feiner. Sie steckt im leisen Zynismus über anstrengende Mitarbeiter, in der vorschnellen Bewertung von Entscheidungen anderer oder im taktischen Weitergeben von Informationen. Faules Reden ist Sprache, die Zersetzung fördert, Vertrauen untergräbt und Räume mit einer leisen Gifteigenschaft füllt – oft getarnt als berechtigte Kritik oder besorgter Austausch. Paulus stellt dem ein klares Maß entgegen. Das gesprochene Wort soll gut sein, es soll erbauen und der Notwendigkeit des Augenblicks entsprechen. Erbauen bedeutet keineswegs, Konflikte zu verschweigen oder Fehlentwicklungen schönzureden. Es bedeutet, so zu sprechen, dass beim Gegenüber etwas Aufbauendes zurückbleibt, selbst wenn Korrektur nötig ist. Das Kriterium der Notwendigkeit fordert von Führenden geistliche Unterscheidungskraft. Was braucht diese Situation jetzt wirklich? Braucht es ein aufrichtendes Wort, eine klare Grenze oder schlicht das Schweigen, das Raum gibt? Das Ziel christlicher Rede ist nicht die eigene Profilierung oder das emotionale Ablassen von Druck, sondern der Segen für die Zuhörenden. Segen meint hier ganz konkret: der Zuspruch von Gnade und die Befähigung zum Guten. Unsere Worte prägen die Kultur unserer Organisationen und Gemeinschaften. Ehrliche Selbstprüfung fragt deshalb heute nicht nach den Fehlern der anderen. Wo hat sich in Ihren Gesprächen der letzten Tage ein Ton eingeschlichen, der eher entwertet als aufbaut? Gab es Momente, in denen Sie über Abwesende anders gesprochen haben als mit ihnen persönlich? Welches geistliche Klima hinterlassen Ihre Worte nach einer Sitzung? Nehmen Sie sich für den heutigen Tag eine konkrete Praxis vor. Halten Sie vor heiklen Gesprächen kurz inne und prüfen Sie Ihren Impuls. Ist das, was Sie sagen wollen, notwendig und dient es dem Gegenüber? Wenn nicht, wählen Sie bewusst das Schweigen oder eine Formulierung, die ermutigt und dient. Herr, du kennst unser Herz und jedes Wort, bevor wir es aussprechen. Vergib uns, wo wir durch unbedachte, zynische oder abwertende Worte Vertrauen zerstört haben. Schenke uns heute die Weisheit und die Selbstbeherrschung, nur das zu sagen, was der Notwendigkeit des Moments entspricht und deine Güte widerspiegelt. Segne unser Reden, damit es den Menschen dient, die uns anvertraut sind. Amen.
Redaktioneller Beitrag aus dem matchNetz-Empfehlungsnetzwerk.