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Andacht

Andacht zu Epheser 5,15-16

Paulus schreibt diesen Brief nicht an Orientierungssuchende, sondern an eine gewachsene Gemeinde in einer wirtschaftlich und kulturell hochaktiven Metropole. Ephesos war geprägt von geschäftiger Hektik, Handel und einer Unzahl religiöser Strömungen. In genau diesen Kontext hinein formuliert der Apostel keine Grundregeln des Glaubens mehr, sondern fordert eine reife Gemeinde zur geistlichen Präzision heraus. Das altgriechische Wort, das hier mit sorgfältig übersetzt wird, meint ein extrem genaues Hinsehen, ein Achten auf Details, wie man es von einem Baumeister erwartet. Für Menschen mit Führungsverantwortung, ob im eigenen Unternehmen, in der Gemeindeleitung oder in christlichen Organisationen, ist Zeit die knappste und umkämpfteste Ressource. Die Versuchung ist groß, die Aufforderung, die Zeit auszukaufen, als biblischen Legitimationstext für modernste Selbstoptimierung oder noch effizienteres Zeitmanagement misszuverstehen. Doch Paulus ruft nicht zu mehr Leistung auf. Das Wort, das er für Zeit verwendet, bezeichnet nicht die ablaufende Uhrzeit, sondern den günstigen Augenblick, das von Gott geschenkte Gelegenheitsfenster. Die Zeit auszukaufen bedeutet wörtlich, sie freizukaufen – sie dem Markt der Belanglosigkeiten und der bloßen Betriebsamkeit zu entreißen. Paulus begründet diese Dringlichkeit bemerkenswert nüchtern: Die Tage sind böse. Das meint nicht nur die ethische Qualität einer Kultur, sondern die schleichende Tendenz unseres Alltags. Ohne unser aktives, geistlich waches Gegensteuern driftet unser Leben automatisch in Richtung Verzettelung, reiner Reaktivität und geistlicher Oberflächlichkeit. Der Druck des Dringlichen verdrängt schleichend das wirklich Wichtige. Wo wir nur noch von Termin zu Termin eilen, Krisen verwalten und Funktionieren mit Fruchtbarkeit verwechseln, verlieren wir die geistliche Regie über unser Handeln. Weise zu leben bedeutet daher für Erfahrene im Glauben, eine scharfe Wahrnehmung für Gottes Handeln im Alltag zu kultivieren. Wo investieren wir unsere begrenzte Lebenskraft tatsächlich? Dienen unsere heutigen strategischen Entscheidungen und Vorhaben dem Bau des Reiches Gottes, oder bedienen sie lediglich die Erwartungen unseres Umfelds oder unsere eigene Unruhe? Eine ehrliche Selbstprüfung am heutigen Tag fragt nicht zuerst danach, wie viel wir abgearbeitet haben. Sie fragt: Waren wir aufmerksam für die Momente, in denen Gott uns gebrauchen wollte? Haben wir aus der Weisheit Seines Geistes gehandelt oder aus dem Impuls der Überforderung? Als konkreten Schritt für den heutigen Tag halten Sie vor der nächsten wichtigen Entscheidung inne. Streichen Sie ganz bewusst eine Aktivität aus Ihrem Kalender, die zwar Zeit frisst, aber keinen bleibenden Wert hat, und nutzen Sie diesen Freiraum, um Gott nach Seiner Priorität für diesen Tag zu fragen. Herr, du bist der Herr über unsere Zeit und unsere Jahre. Vergib uns, wo wir im getriebenen Alltagsgeschäft die Orientierung an dir verlieren und uns von der Hektik der Welt regieren lassen. Schenke uns heute einen wachen Geist und geistliche Präzision. Gib uns die Weisheit, deine Gelegenheiten zu erkennen und die Zivilcourage, danach zu handeln. Amen.

Redaktioneller Beitrag aus dem matchNetz-Empfehlungsnetzwerk.