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Andacht

Andacht zu Kolosser 3,23

Wenn Paulus diesen Satz an die Gemeinde in Kolossä schreibt, richtet er sich an Menschen in einer bitteren Realität. Er spricht zu Sklaven, deren Arbeit oft fremdbestimmt, hart und ohne gesellschaftliche Anerkennung war. Genau in dieses System hinein setzt er eine radikale Neuausrichtung. Das griechische „von Herzen“ bedeutet wörtlich „aus der Seele heraus“. Paulus fordert hier nicht zu einem krampfhaften Perfektionismus auf, der in den Burnout führt. Er lenkt den Blick weg von den menschlichen Auftraggebern hin zu dem eigentlichen Herrn, Christus. Für uns, die wir seit vielen Jahren Verantwortung in Unternehmen, Gemeinden oder christlichen Werken tragen, verliert diese Stelle leicht ihre Schärfe. Wir haben gelernt, professionell zu funktionieren. Wir leiten Sitzungen, treffen strategische Entscheidungen, verwalten Budgets und begleiten Mitarbeiter. Doch wer lange im Glauben und im Dienst steht, kennt die schleichende Gefahr, dass das Handeln routiniert wird oder von falschen Motiven getrieben ist. Wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir Entscheidungen so fällen, um Konflikten auszuweichen, dem Vorstandsrat zu gefallen oder das eigene Ansehen zu wahren? Die Aufforderung des Paulus ist eine Befreiung aus diesem Hamsterrad der Menschengefälligkeit. Wer seine Arbeit primär als Dienst für Christus versteht, wird unabhängig von der schwankenden Anerkennung seiner Mitmenschen. Das gilt für die großen strategischen Weichenstellungen genauso wie für das mühsame Kleingedruckte, die Buchhaltung oder das anstrengende Personalgespräch. Alles bekommt denselben Würdegrad, weil das finale Gegenüber kein Kunde, kein Gemeindemitglied und kein Vorgesetzter ist, sondern der auferstandene Herr. Der heutige Tag bietet eine Gelegenheit zur ehrlichen Selbstprüfung. An welchem Punkt Ihrer heutigen Agenda droht die Gefahr, nur für das Bild nach außen, aus bloßer Gewohnheit oder aus Pflichtgefühl zu handeln? Suchen Sie sich für den heutigen Tag eine ganz konkrete Aufgabe heraus – vielleicht eine, auf die Sie wenig Lust haben, oder eine, die außer Ihnen niemand bemerken wird. Halten Sie vor dem ersten Schritt kurz inne und sprechen Sie im Stillen aus: Diese Aufgabe tue ich jetzt für dich, Jesus. Verändern Sie nicht zwingend die Tätigkeit selbst, sondern die Innenausrichtung, mit der Sie sie ausführen. Das befreit von dem Druck, allen Menschen gerecht werden zu müssen, und verleiht dem Alltäglichen eine tiefe, stille Würde. Herr Jesus Christus, du siehst unser Tun, unsere Verantwortung und auch unsere tägliche Ermüdung. Vergib uns, wo wir uns von der Anerkennung von Menschen abhängig gemacht haben oder im bloßen Funktionieren steckengeblieben sind. Richte unseren Blick heute neu auf dich. Gib uns die Nüchternheit und die Kraft, auch die unscheinbaren und schweren Aufgaben aus ganzem Herzen für dich zu tun. Lass unser Handeln heute ein unaufgeregter Dienst vor deinem Angesicht sein. Amen.

Redaktioneller Beitrag aus dem matchNetz-Empfehlungsnetzwerk.