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Andacht

Andacht zu Prediger 4,9-10

Der Prediger Salomo beobachtet in seinem Buch die oft nüchterne Realität des Lebens. Kurz vor unseren Versen beschreibt er einen Mann, der rastlos arbeitet, reich wird, aber völlig allein bleibt. Seine Arbeit bringt ihm letztlich keine Freude, weil er sie mit niemandem teilen kann. Darauf folgt der bekannte Satz: „So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf.“ Kohelet argumentiert hier keineswegs romantisch, sondern höchst pragmatisch. Es geht um Effizienz, aber noch mehr um Lebensfähigkeit. Wer allein unterwegs ist, trägt das volle Risiko. Wer zu zweit geht, hat eine Absicherung für den Tag des Scheiterns. Für Menschen in Verantwortung – ob im Unternehmen, in der Gemeindeleitung oder in einem Werk – trägt dieser Text eine stille, aber scharfe Pointe. In der Führung wird Isolation oft schleichend zur Normalität. Man meint, Stärke zeigen zu müssen. Entscheidungen trifft man am Ende allein, Bedenken behält man für sich, um das Team nicht zu verunsichern, und persönliche Nöte werden weggepackt. Man funktioniert. Doch Kohelet erinnert uns daran, dass ungeteiltes Arbeiten auf Dauer ungesund ist. „Guten Lohn für ihre Mühe“ bedeutet nicht nur mehr Ertrag, sondern auch bewahrte Widerstandskraft. Es geht nicht um Kontrollverlust, sondern um die Einsicht in die eigene Begrenztheit. Wo stehen Sie heute in dieser Hinsicht? Haben Sie in Ihrem beruflichen oder geistlichen Alltag jemanden, der Ihren wahren Zustand kennt? Jemanden, der nicht Ihr Mitarbeiter ist und nicht von Ihren Entscheidungen abhängt, sondern Ihnen auf Augenhöhe begegnet? Die Gefahr für erfahrene Glaubende liegt selten im offenen Abfall vom Glauben, sondern im leisen Ausbrennen hinter einer Fassade aus Professionalität. Wenn Sie ins Straucheln geraten – finanziell, emotional oder geistlich –, wer ist der Gesell, der es bemerkt und der Ihnen aufhelfen darf? Selbstgenügsamkeit ist keine christliche Tugend, sondern ein Risiko. Nutzen Sie den heutigen Tag für eine bewusste Korrektur. Machen Sie nicht einfach weiter wie gewohnt. Suchen Sie gezielt das Gespräch mit einem Weggefährten. Schildern Sie eine aktuelle Herausforderung, ohne sie sofort schönzureden oder eine fertige Lösung zu präsentieren. Erlauben Sie einem anderen Menschen, Einblick in Ihre Mühe zu haben. Das erfordert Mut, ist aber der Weg zu nachhaltiger Kraft. Herr, du hast uns nicht für das Einzelgängertum geschaffen. Vergib uns, wo wir aus Stolz oder Gewohnheit meinen, alles allein tragen zu müssen. Schenke uns den Mut zur Ehrlichkeit und segne die Beziehungen auf Augenhöhe. Gib uns treue Weggefährten und mache uns selbst zu Menschen, die anderen aufhelfen. Amen.

Redaktioneller Beitrag aus dem matchNetz-Empfehlungsnetzwerk.