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Andacht

Andacht zu Sprüche 11,1

In der antiken Marktwirtschaft war die Waage das Herzstück jedes Geschäfts. Wer ein Stück Blei im Hohlraum der Gewichte versteckte, ergaunerte sich bei jeder Transaktion einen winzigen Vorteil. Es fiel kaum auf, auf die Dauer aber summierte es sich. Salomo greift dieses alltägliche Bild auf und stellt es in die höchste denkbare Perspektive: Eine falsche Waage ist dem Herrn ein Gräuel, aber ein volles Gewicht sein Wohlgefallen. Wer seit vielen Jahren Verantwortung in Gemeinde, Unternehmen oder Werk trägt, nickt hier schnell ab. Betrug ist für uns kein Thema, Steuerhinterziehung oder billige Abzocke liegen fern. Doch der Spruch zielt tiefer als auf das strafrechtlich Relevante. Es geht um die unmerklichen Verschiebungen, mit denen wir uns im Alltag Vorteile verschaffen oder Realitäten schönfärben. Falsche Waagen im heutigen Leitungsalltag sehen anders aus als im Orient. Wir nutzen sie, wenn wir in Berichten Ergebnisse leicht schönrechnen, um den Vorstand oder die Spender zu beruhigen. Wir nutzen sie, wenn wir im Mitarbeitergespräch das eigene Versäumnis leise übergehen, die Fehler des anderen aber mit peinlicher Genauigkeit wiegen. Auch im Umgang mit der eigenen Zeit verwenden wir oft zweierlei Maß: Wir fordern volle Hingabe für das Projekt, gönnen uns selbst aber gedankliche Auszeiten auf Kosten des Betriebes oder der Familie. Die Tragik der gefälschten Gewichte liegt darin, dass sie meist für die Umgebung unsichtbar bleibt. Niemand merkt es sofort. Aber vor Gott gibt es keine Grauzonen. Er hat kein Interesse an frommer Rhetorik, die mangelnde Substanz kaschiert. Gott hat Freude an dem, was echtes, volles Gewicht hat – an ungefilterter Wahrheit, verlässlicher Ausführung und ungeteilter Lauterkeit. Wo haben sich bei Ihnen schleichend Ungenauigkeiten eingeschlichen? Vielleicht in der Art, wie Sie Arbeitsstunden abrechnen, wie Sie die Leistung eines Konkurrenten oder Kollegen bewerten oder wie Sie nach außen hin Erfolge darstellen, die in Wahrheit noch gar keine sind. Der Text fordert uns nicht zu moralischer Panik auf, sondern zu nüchterner Bestandsaufnahme. Ein volles Gewicht bedeutet: Es ist genau das drin, was draufsteht. Nicht mehr, aber auch kein Gramm weniger. Suchen Sie sich heute bewusst eine Situation im Betrieb oder im Dienst, in der die Verlockung groß ist, die Dinge ein wenig zu Ihren Gunsten abzurunden. Entscheiden Sie sich genau dort für das volle, unverkürzte Gewicht. Sagen Sie die Wahrheit auch dann, wenn eine kleine Korrektur der Zahlen oder Tatsachen bequemer wäre. Herr, du siehst die feinen Nuancen unseres Handelns, die vor Menschen verborgen bleiben. Bewahre uns vor der schleichenden Gewöhnung an kleine Unaufrichtigkeiten. Gib uns den Mut zur absoluten Klarheit in unseren Entscheidungen, Worten und Bilanzen. Lass unser Leben vor dir und den Menschen standhalten, damit dein Name durch unsere Verlässlichkeit geehrt wird. Amen.

Redaktioneller Beitrag aus dem matchNetz-Empfehlungsnetzwerk.