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Andacht

Andacht zu Sprüche 27,17

Das Schärfen von Eisen an Eisen ist kein sanfter Vorgang. Wo Metall auf Metall trifft, entstehen Hitze, Reibung, Geräusche und Funkenflug. Es wird bewusst Material abgetragen, um eine scharfe, wieder voll einsatzfähige Klinge zu hinterlassen. Die Beobachtung im Buch der Sprüche ist denkbar nüchtern: Reibung ist notwendig, damit ein Werkzeug seinen eigentlichen Zweck erfüllen kann. Übertragen auf menschliche Beziehungen bedeutet das, dass geistliche und charakterliche Reife nicht in der Isolation entsteht. Wer seit vielen Jahren Führungsverantwortung trägt, im Unternehmen, in der Gemeinde oder in einer Organisation, läuft ständig Gefahr, schleichend stumpf zu werden. Jahrelange Routine, vergangene Erfolge, aber auch die eigene Machtposition führen oft dazu, dass wir uns vor allem mit Menschen umgeben, die zustimmen, statt zu hinterfragen. Doch ein stumpfes Werkzeug erfordert im Einsatz immer mehr Kraftaufwand und richtet am Ende oft mehr Schaden als Nutzen an. Wir brauchen dringend Gegenüber, die die Zivilcourage besitzen, uns zu korrigieren, unsere Motive zu hinterfragen und unsere blinden Flecken aufzudecken. Das ist selten angenehm. Es kratzt am Ego und fühlt sich im ersten Moment oft wie ein Angriff an. Aber die Schrift versteht diese Form der Auseinandersetzung als ein Geschenk der Zurüstung. Es geht dabei nicht um destruktive Kritik, sondern um die Wiederherstellung unserer geistlichen und fachlichen Schärfe. Die entscheidende Frage für erfahrene Führungskräfte ist deshalb nicht, ob wir viele Kontakte pflegen, sondern welche Qualität diese Beziehungen haben. Gibt es in Ihrem Umfeld Menschen, die Ihnen nahe genug kommen dürfen, um Reibung zu erzeugen? Oder haben Sie unbewusst Strukturen geschaffen, die Sie vor unbequemer Wahrheit schützen? Wenn Eisen auf Eisen trifft, entscheidet die innere Haltung darüber, ob die Klinge geschärft oder beschädigt wird. Eine ehrliche Selbstprüfung fordert uns heraus zu fragen, wie wir auf Korrektur reagieren. Weichen wir aus, werden wir defensiv oder nutzen wir den Schmerz der Reibung, um korrigierbar zu bleiben? Und ebenso wichtig ist die Umkehrung: Schärfen Sie die Mitarbeiter und Leiter in Ihrem Einflussbereich mit Weisheit, oder reiben Sie diese nur auf, bis sie mürbe sind? Echtes Schärfen dient immer der Stärkung des anderen, nicht der Demonstration eigener Überlegenheit. Machen Sie heute einen ganz konkreten Schritt. Suchen Sie gezielt das Gespräch mit einer Person aus Ihrem beruflichen oder geistlichen Umfeld, deren Urteil Sie schätzen, die Ihnen aber erfahrungsgemäß nicht nach dem Mund redet. Bitten Sie diese Person um eine ungeschönte Rückmeldung zu einer aktuellen Entscheidung oder zu einer Verhaltensweise der letzten Wochen. Hören Sie einfach nur zu, ohne sich zu rechtfertigen. Herr, du siehst, wo wir über die Jahre träge, selbstgerecht oder stumpf geworden sind. Gib uns die Demut, Reibung zuzulassen und ehrliche Korrektur als dein Werkzeug an uns anzunehmen. Schenke uns Weggefährten, die uns fordert, und mache uns selbst zu Menschen, die andere im Glauben und im Dienst schärfen. Amen.

Redaktioneller Beitrag aus dem matchNetz-Empfehlungsnetzwerk.